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Chemische Schadenslagen

Chemikalien sind für die Gesundheit der Bevölkerung und die allgemeine Lebensqualität von großem Wert, z.B. als Ausgangstoffe zur Herstellung von Arzneimitteln, Kosmetika, Pflanzenschutzmittel oder im Bereich Lebensmittelsicherheit. Bei ihrer unbeabsichtigten, akzidentellen oder der vorsätzlichen Freisetzung bei terroristischen Attacken können sie jedoch eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen und die Umwelt darstellen. Allgemeine Faktoren, die zu einer akzidenteller Freisetzung von gefährlichen Stoffen führen können, sind z.B. die mangelhafte Instandhaltung von Fabrikations- und Lagereinrichtungen, fehlende oder nicht umgesetzte Sicherheitsbestimmungen, menschliches Versagen und Naturereignisse.

Der "Dritte Gefahrenbericht der Schutzkommission beim Bundesminister des Innern" (März 2006) beschreibt folgende mögliche Ursachen chemischer Gefahren:

  • Die Herstellung giftiger Chemikalien, ihre Verwendung. Lagerung und ihren Transport trotz strenger Sicherheitsbestimmungen zum Umgang mit ihnen. Nach Einschätzung der Schutzkommission gibt es keine absolute Sicherheit vor einer unbeabsichtigten direkten oder indirekten Freisetzung wie z. B. in der Folge von Unfällen.
  • Zu einer indirekten Bedrohung durch gefährliche Stoffe kommt es nahezu regelmäßig bei Bränden jeglicher Ursache, weil aus den brennenden Materialien Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und andere Brandgase wie z. B. Cyanide freigesetzt werden.
  • Toxische Stoffe können über die Nahrung oder das Trinkwasser Risiken für die Gesundheit und das Leben einer großen Anzahl Menschen verursachen.
  • Terroristische Bedrohung durch Einsatz spezieller chemischer Agenzien.

In der Systematik der WHO (Technical Hazard Sheet - Technological Disaster Profiles) (2009) werden verschiedene Möglichkeiten der Freisetzung chemischer Stoffe unterschieden, die zusammengefasst, die Freisetzung und Detektion eines bekannten oder unbekannten chemischen Stoffes auf einem fest umrissenen Standort oder aber aus einer mobilen Quelle wie ebenfalls die "stumme" Freisetzung, deren Ursache unbekannt ist, beinhalten.

Die Schwere gesundheitlicher Beeinträchtigungen im Fall einer erfolgten Exposition ist abhängig von dem schädigenden Potential des Stoffes, der Höhe der aufgenommenen Stoffkonzentration/-dosis und der Einwirkungszeit. So können die Wirkungen lokaler Natur sein und sich auf die Stelle des Kontakts beschränken wie es bei haut-, atemwegs- und augenreizenden Stoffen der Fall ist. Andere Effekte sind systemischer Natur, d.h., die Wirkung erfolgt an Zielorganen entfernt von der eigentlich Stelle der Aufnahme in den Organismus.

Ebenso kann die verstreichenden Zeit zwischen erfolgter Exposition und dem Beginn von Symptomen variieren. Akute Effekte wie Augen-, Hautreizungen und Reizungen der Atemwege oder Wirkungen auf das zentrale Nervensystem können innerhalb weniger Minuten oder Stunden auftreten. Verzögerte Wirkungen, die erst nach Jahren erscheinen, betreffen z.B. die Entwicklung von malignen Tumoren. Generell ist somit zwischen akuten und langfristig/chronischen Wirkungen zu unterscheiden. Als spezielle Form gesundheitlicher Effekte sind Beeinträchtigungen des psychischen Befindens zu nennen, die als Folge der Einwirkung vielfältiger psychischer Stressoren resultieren können.

Eisenbahnunfall mit Gefahrgut in Bad Münder 2002

Eisenbahnunfall mit Gefahrgut Epichlorhydrin (ECH) in Bad Münder am 09.09.02 (Ulrich Behmann, Deister-Weser Zeitung)

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